Säkulare Weihnacht: Aufklärung bringt Hoffnung und Licht in dunkler Zeit

Das bevorstehende Weihnachtsfest soll in besonderer Weise eine Zeit der Ruhe und Besinnung, der Familie und der Mitmenschlichkeit werden. Weihnachten wird jedoch von Politik und Medien noch immer fast ausschließlich als christliches Fest dargestellt. Die dahinterstehende verengte Sichtweise ist historisch angreifbar, kulturell einseitig und gesellschaftspolitisch verfehlt.

Der Koordinierungsrat säkularer Organisationen stellt fest:

 

  • Der natürliche Anlass des Weihnachtsfestes ist die Wintersonnenwende. Wenn die Tage wieder länger werden, stellt dies einen Kraftquell für alle dar. Die Weihnachtsgeschichte dagegen ist eine Legende für Gläubige. Die Geburt Jesu wurde erst in der Spätantike auf Feiertermine des Sonnengottes bzw. des Mithraskultes gelegt und hat nach historisch-kritischen Erkenntnissen nicht in Bethlehem stattgefunden. Das säkulare Menschenbild der Aufklärung kennt neben dem Verstand durchaus auch das Gefühl, neben dem Sachlichen auch das Poetische, neben dem Verständnis der Fakten auch die Freude an der Fiktion. Es bleibt jedoch stets darauf zu achten, beides nicht zu verwechseln.

 

  • Zentrale Elemente der Ausgestaltung dieser Festzeit wie etwa der Genuss von Lebkuchen und Plätzchen oder der geschmückte Tannenbaum sind keineswegs christlichen Ursprungs, sondern entspringen natürlichen Bedürfnissen der Menschen in der Winterzeit auf der Nordhalbkugel. Naturverbundenheit durch immergrüne Zweige, Kränze und Bäume im Wohnbereich, Wärme und Helligkeit durch Kerzen und Leuchtschmuck, Zeit für Familie und Freunde, Besinnung, Verbundenheit und Liebe sind säkulare Feiermotive. Eine einseitig christliche Vereinnahmung des Weihnachtsfestes ist daher abzulehnen.

 

  • Generell ist daran zu erinnern, dass menschliches Feierbedürfnis und symbolische Feierkultur nicht von Religionsstiftern erfunden wurden und nicht von Religionsvertretern gepachtet werden können. Der Geist der Aufklärung gebietet vielmehr den Respekt vor einer bewussten Innerlichkeit, die keiner religiösen Außenprojektion bedarf.

 

  • Weihnachten ist von jeher das Fest des Friedens. Es verweist somit auf die humanistischen Ideale der Verständigung und Gemeinschaft zwischen allen Menschen. Dieses Ideal durchbricht starre Gruppenidentitäten und steht über den partikularen Interessen einzelner Glaubensgemeinschaften. Weihnachten ist grenzüberschreitend und menschheitsverbindend. Der Weihnachtsfriede weitet den kulturellen Horizont hin zur planetaren Schicksalsgemeinschaft und zur internationalen Solidarität.

 

  • In einer aufgeklärten, säkularen Gesellschaft können die inneren Ursachen menschlicher Hoffnung nicht mehr religiös vereinnahmt werden. Die Alternative zu Konsumrausch und Gefühlsverflachung liegt keineswegs allein in der Versenkung in eine musikalisch umrahmte Legende. Ein Großteil der heutigen Menschen wartet nicht auf das Jesuskind, sondern auf Problemlösungen. Sonderregelungen für Gottesdienste in Pandemiezeiten sind daher abzulehnen.

 

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