100 Jahre Hans Albert – der KORSO gratuliert!

Am 8. Februar 2021 feiert der Philosoph Hans Albert seinen 100. Geburtstag. Albert hat die Philosophie des Kritischen Rationalismus maßgeblich geprägt. Seine Bedeutung für das säkulare Spektrum würdigt der KORSO-Vorsitzende Rainer Rosenzweig in einer Grußbotschaft, die zu einem virtuellen Festakt zu Alberts 100. Geburtstag am 8. Februar 2021 ab 19.00 Uhr live via YouTube ausgestrahlt wird.

Die Grußbotschaft ist hier veröffentlicht [als pdf]:


Grußwort zum 100. Geburtstag von Hans Albert

Dr. Rainer Rosenzweig, 8.2.2021
Koordinierungsrat säkularer Organisationen KORSO e.V.

Es ist eine besondere Ehre, mich der Reihe der Gratulanten anschließen zu dürfen. Ich vertrete den KORSO, den Koordinierungsrat säkularer Organisationen in Deutschland. „Säkular“ im Sinne von „weltlich“ ist das, was diese Organisationen – dem Namen nach – eint.

Wer weltlich handelt, kann sich nicht auf Heiliges berufen, nicht auf Dogmen, nicht auf Letztbegründungen. Koordination und politisches Wirken im Sinne einer „säkularen Sache“ braucht also einen ganz anderen theoretischen Untergrund. Wer keine Dogmen will, braucht kritisches Denken. Wer ohne Heilsversprechen leben will, braucht gedankliche Klarheit. Wer nicht Nach-beten will, braucht kluge Vor-Denker.

Wie gut, dass es Hans Albert gibt.

Einer von Hans Alberts zentralen Aufsätzen „Die Idee der Kritischen Vernunft“ erschien erstmals 1963 in Band 1 des Magazins „Club Voltaire – Jahrbuch für kritische Aufklärung“ – wenn man so will eine Keimzelle für säkulares Gedankengut und für die Gründung moderner säkularer Verbände in Deutschland, herausgegeben übrigens von Gerhard Szczesny, einem der Mitbegründer der Humanistischen Union.

Das gedankliche Fundament eines säkularen Lebensstils ist ohne kritische Rationalität nicht vernünftig begründbar:

Der erkenntnistheoretische Realismus Alberts räumt der objektiven Außenwelt ihre Existenzberechtigung ein und verhindert den Verfall des säkularen Denkens in einen radikalen Konstruktivismus, der die Außenwelt negiert.

Der rationale Kritizismus Alberts fordert stets Prüfbarkeit, wo vielleicht auch säkulare „Gewissheiten“ gerne mal unhinterfragt geblieben wären.

Der konsequente Fallibilismus Alberts betont die Vorläufigkeit allen Wissens und verhindert eine säkulare Hybris.

Und der methodische Revisionismus Alberts legt stets die Suche nach besseren Problemlösungen nahe statt dem Verharren in einmal für gut befundene Glaubensgewissheiten.

So birgt Hans Alberts Philosophie also ganz konkrete und praktische Auswirkungen für das Engagement säkular eingestellter Menschen in sich. Wie sich Rationalität zu einem solchen Engagement verhält, macht das berühmte Albertsche Münchhausen-Trilemma deutlich. Letztbegründungen müssen demnach scheitern – entweder in einem infiniten Regress oder in einem logischen Zirkelschluss oder durch den Abbruch des Begründungsverfahrens. Da ein solcher Abbruch immer willkürlich bleibt, gibt es nach Hans Albert keine Letztbegründungen, sondern immer nur gute Begründungen. Da nach Albert Thesen immer so zu formulieren sind, dass sie prinzipiell an der Realität scheitern können, kann es im säkularen Denken keine Immunisierung geben. Der Wunsch nach Gewissheit muss für Säkulare somit stets zurückstehen hinter dem Willen zur Erkenntnis der Wirklichkeit. Selbst Wertentscheidungen müssen nach Hans Albert rationalen Begründungen zugänglich sein, müssen kritisierbar bleiben.

Aus dieser Haltung folgt eine Kritik an irrationalen Überzeugungssystemen, an Religionen, die auf Letztbegründungen setzen, und an ihren Institutionen. So ist es nur konsequent, dass Hans Albert – übrigens als einer der wenigen aus der Wissenschaftsgemeinde – den Kirchenkritiker Karlheinz Deschner lange Jahre unterstützte. Und es ist ebenso konsequent, dass Hans Albert dann 2004 zu den Gründungsbeiräten der Giordano-Bruno-Stiftung zählte.

Wo andere gläubig werden, setzt Hans Albert auf kritisches Denken. Ohne Hans Albert ist säkulares Denken und Handeln im 21. Jahrhundert nicht mehr möglich.

Im Namen der säkularen Organisationen in Deutschland gratuliere ich Hans Albert zu diesem einzigartigen Anlass – dem kritischen Denker, dem säkularen Vor-Denker, dem Jahrhundertdenker.

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