Offener Brief an Erzbischof Zollitsch

An Seine Exzellenz, den Erzbischof von Freiburg
und Vorsitzenden der Deutschen Bischofkonferenz,
Herrn Dr. h.c. Robert Zollitsch
Schoferstr. 2
79098 Freiburg i. Br.

 

25. April 2011

Sehr geehrter Herr Dr. Zollitsch,

das Magazin FOCUS berichtete am 22. April 2011, dass Sie in einem Interview mit dem Magazin sagten:
„Die demokratische Grundeinstellung unserer Abgeordneten wird sich an deren Präsenz im Bundestag während der Rede zeigen. Es würde für sich sprechen, wenn jemand aus Protest dieser für unser Land historischen Stunde fern bliebe.“ Und: Die „Papst-Rede wird Prüfstein für deutsche Politiker“

Als Sprecher säkularer Menschen in Deutschland möchten wir Sie mit großem Nachdruck darauf hinwiesen, dass die Bundesrepublik Deutschland ein demokratisches Gemeinwesen und Heimstatt aller Bürger ist, gleich welcher Konfession oder Weltanschauung.

Nach dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland (Artikel 38) sind die Abgeordneten des Deutschen Bundestages Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden nur ihrem Gewissen unterworfen.

Das gleiche Grundgesetz, das Ihnen Rede- und Meinungsfreiheit gewährleistet, gibt auch jedem Mitglied des Bundestages das Recht, sich die Rede des Souveräns einer mittelalterlichen, absoluten Monarchie in Italien nicht anhören zu müssen.

Auch wenn Sie das als Mitglied einer Religionsgesellschaft, die von einem absoluten Monarchen geleitet wird, vielleicht nicht verstehen können, steht es Ihnen nicht an, zu versuchen, in die verfassungsmäßigen Rechte von Angeordneten des Deutschen Bundestages einzugreifen.

Mit freundlichen Grüßen,

Prof. Dr. Frieder Otto Wolf         Dr. Carsten Frerk