KORSO vorgestellt

HALLE/Sa. (hpd) Im Anschluss an einen Vortrag im  Bürgerhaus des hiesigen humanistischen Regionalverbandes informierte der Referent, Dr. Horst Groschopp, als Präsident des HVD, die anwesenden Gäste und Vorstandsmitglieder über das Zustandekommen und die Ziele des kürzlich gegründeten KORSO.

Der „Koordinierungsrat säkularer Organisationen“ sei ein politisches Bündnis, das auch weltanschauliche Übereinstimmungen dokumentiere. Das sei aber nicht das Wesentliche, denn es gebe nach wie vor gewichtige Unterschiede in den Verfassungen der Verbände. Die beigetretenen Organisationen wollen nach innen keinen Einheitsbrei, aber nach außen Einmütigkeit.

Es gehe auch nicht um die Integration von Konfessionsfreien in Staat und Gesellschaft.
Diese sei bei allen Schwierigkeiten nicht das Problem. Dieser Eindruck könne zwar entstehen, wenn der säkulare Koordinierungsrat mit dem islamischen Koordinationsrat verglichen werde, mit dem Bundes- und Landesregierungen reden. Abgesehen davon, dass eine Integration der Muslime nicht allein eine Religionsfrage sei, komme es den Säkularen auf die Beseitigung politischer Benachteiligungen an – etwa im Schulwesen, bei der öffentlichen Gedenkkultur und in den öffentlich-rechtlichen Medien. Außerdem sei zu betonen, dass der KORSO keine anti-religiöse Veranstaltung sei.

Der Vorsitzende des Humanistischen Regionalverbandes Halle-Saalkreis, der noch nicht zum HVD gehört, Prof. Dr. Werner Lange, sagte zum KORSO:
„Die Gründung dieser Institution war ein lange überfälliger Schritt, den wir als Signal der Annäherung und Zusammenarbeit  säkularer Verbände begrüßen. Es  ist zu hoffen, dass die Regierung endlich die Ungleichbehandlung von Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften aufgibt und den KORSO als Gesprächspartner und Interessenvertreter der Konfessionsfreien anerkennt.“

Anlass der Debatte über KORSO war ein Vortrag zum Thema „Der ’neue Atheismus’ und der moderne organisierte Humanismus – Konfessionsfreie zwischen Religionskritik und tätiger Barmherzigkeit“. Der Referent gab Informationen darüber, was der „neue Atheismus“ ist, wo man ihn finden kann, was überhaupt Atheismus genannt wird und was daran neu ist, was die „neuen Atheisten“ charakterisiert und in welchen Zusammenhängen der aktuelle Atheismus für den organisierten Humanismus bedeutsam ist. Am Schluss des Referats stand die Frage im Raum: Was könnte eine organisatorische Antwort auf den „neuen Atheismus“ und die Tatsache sein, dass 80 % der Konfessionsfreien humanistische Lebensauffassungen haben?

Der Referent gab darauf zwei Antworten:

Da der „neue Atheismus“ vorwiegend „theoretisch“ und „medial“ agiere, unterscheide er sich vom organisierten Humanismus vor allem dadurch, dass Verbände – etwa die im KORSO zusammengeschlossenen – Strukturen haben, vorzeigbare „Apparate“ und erfolgreiche Projekte, von der Jugendweihe bis zum Hospiz. Es ist ein Unterschied, philosophische Religionskritik zu üben oder per „weltlicher Seelsorge“ ein religionsfreies Leben in seinen Werten institutionell zu bestätigen.

Der „neue Atheismus“ vernachlässige bisher weitgehend den praktischen Humanismus, den die Menschen wollen und die mehr davon wollen. Er hilft ihnen von der Wiege bis zur Bahre und gibt aus diesen Bezügen heraus ethische und politische Antworten.

Deshalb werde die Praxis zeigen, welche Lernprozesse der KORSO in Gang setze.